Herausgeberschaften-Fortsetzung

Moral-Wissenschaft und Wahrheit

Normen beeinflussen die Interaktion von Menschen miteinander und den Umgang von Menschen mit ihrer Umwelt. Was aber ist Normativität? Muss sie unabhängig von Menschen sein, um objektiv sein zu können? Oder entsteht sie erst in Abhängigkeit von Menschen, die sie formulieren oder nach ihr handeln, und ist deshalb nicht objektiv? Oder ist dieser Gegensatz grundsätzlich verfehlt und es bedarf eines anderen Ansatzes, um die Rolle von Normativität in der lebensweltlichen Verständigungspraxis angemessen zu bestimmen? Die Beiträge in vorliegendem Band widmen sich diesem Problemkomplex unter besonderer Berücksichtigung der Bereiche Moral und Wissenschaft.

Moral-Wissenschaft
Julian Nida-Ruemelin

DIGITAL HUMANISM

„Die Utopie des digitalen Humanismus verlangt den konsequenten Abschied vom Paradigma der Maschine. Weder die Natur als Ganze, noch der Mensch sollte als Maschine gedacht werden. Die Welt ist keine Uhr und der Mensch ist kein Automaton. Trotzdem bleibt digitale Humanismus technikfreundlich. Er fordert, die neuen Technologien zum Wohl der Menschen einzusetzen, sich nicht in transhumanistischen Utopien zu verlieren, keine Roboter als Menschenersatz einzusetzen, sondern die menschlichen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.“

ECONOMY AND ETHICS

„Es wird gerne übersehen, dass Ökonomische Rationalität ohne moralische Werte und Normen nicht auskommt.  So hängt etwa der Erfolg einer Führungsperson in hohem Maße davon ab, ob sie von den Mitarbeitern als integer wahrgenommen wird. Es ist offenkundig, dass Tugenden für den ökonomischen Erfolg einer Einzelperson, eines Unternehmens, einer Branche, der Volkswirtschaft als ganzer, unverzichtbar sind.“

Julian Nida-Ruemelin
Julian Nida-Ruemelin

EDUCATION

„Die menschliche Praxis verlangt nach einer Kohärenz emotiver und kognitiver, ästhetischer und ethischer Erfahrungen und Einstellungen. Diese Kohärenz zu entwickeln helfen und damit ein in sich stimmiges Leben zu ermöglichen, dazu beizutragen, dass Menschen in den unterschiedlichen Phasen ihres Lebens mit sich im Reinen sind, ist oberstes Ziel humaner Bildung.“

DEMOCRACY

„Der normative Grundkonsens der Demokratie hat seinen Ursprung in der wechselseitigen Anerkennung als Freie und Gleiche. Demokratie ist also nicht nur eine Staatsform, sondern auch eine Lebensform. Jede Abweichung von der gleichen Zuerkennung autonomer Lebensgestaltung würde das normative Fundament der modernen Demokratie zerstören. Es lohnt sich, diese anthropologische, normative Prämisse der Demokratie gegen ihre Kritiker zu verteidigen.“

Julian Nida-Ruemelin
Julian Nida-Ruemelin

MIGRATION

"More than two billion people worldwide live in abject poverty, suffering from hopelessness, hunger, oppression and war. Open borders would not significantly alleviate the misery, but would even further weaken the regions of origin and exacerbate social conflicts in the receiving countries. A solution to the shameful humanitarian scandals of our time they are not. Whether we succeed to combat effectivelythe global poverty and lack of prospects in the regions of origin, will be the litmus test of our humanity."

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